SONGS OF WHALES AND WANTING nimmt Herman Melvilles Moby Dick als Ausgangspunkt, um einen Stoff zu untersuchen, der bis heute als Modelltext westlicher Moderne wirkt: Expedition, Ressourcenrausch, Vermessungswahn und metaphysische Sinnsuche kippen ineinander. Melvilles Roman ist zugleich Naturkunde, Abenteuermaschine und philosophische Großfrage – und damit ein Archiv von Bildern über das Verhältnis von Mensch und Welt, von Arbeit und Mythos, von Gewalt und Erkenntnis. Der weiße Wal erscheint dabei weniger als Tier, denn als Projektionsfläche: für das Erhabene, das Unverfügbare, aber auch für eine Moderne, die Natur in Rohstoff, Zeit in Taktung und Körper in Funktion verwandelt.
Die Performance verortet diesen Stoff in den historischen Umbrüchen des 19. Jahrhunderts – dem Aufstieg des Industriekapitalismus, der Entstehung neuer Produktions- und Abhängigkeitsverhältnisse, der Verschiebung von Weltbildern. Interessant ist dabei nicht das „Damals“ als Kulisse, sondern die Kontinuität: Welche Erzählungen legitimieren Ausbeutung, welches Begehren treibt Expansion, und wie werden dabei Kategorien wie Natur/Kultur, Mensch/Tier, Technik/Schicksal hergestellt?
Mit Bezug auf heutige KI-Technologien wird das Motiv der Projektion weitergedacht: Archive, Bilder und Vorstellungen werden geremixt, Vergangenheit wird neu montiert, Zukunft wird aus vorhandenen Daten entworfen – eine Aktualisierung der Frage, wer erzählt, wer gesehen wird und wer verschwindet.
Auf der Bühne greifen Schauspiel, Tanz, Sprache, Gesang, Live-Musik und visuelle Kunst ineinander. Die drei Performer:innen Alice Gartenschläger, Lucy Wirth und Daniel Nerlich durchlaufen Rollen, Zustände und Blickachsen, wechseln zwischen Erzählung und Verkörperung und arbeiten mit einem Bewegungsvokabular aus konkreten Handlungen und Ritualen.
Performance: Alice Gartenschläger, Lucy Wirth & Daniel Nerlich
Regie, Sounddesign: Tom Schneider
Video, Dramaturgie: Tobias Staab
Bühne, Kostüme: Nadja Sofie Eller
Produktionsleitung: Nadine Freisleben (apricot productions)
Stück-Dauer: 90 Minuten
Zu diesem Stück gibt es eine Content Note. Diese ist im Bereich Zugänglichkeitauf unserer Webseite zu finden.
Gefördert vom Kulturamt der Stadt Freiburg und dem Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V.